Der Krieg Unserer Grossväter 1914 – 1918 – Andricgrad (BiH)

In Gedenken an den hundertsten Jahrestag des Ausbruches des Ersten Weltkrieges haben das „Institut für Rechtsvergleiche“, das „Institut für Literatur“ und „Intermex“ eine internationale Konferenz in Belgrad und Andrićgrad (28, 29 und 30. Juni 2014) organisiert. 

Schirmherr der Konferenz war der Präsident der Republik Serbien – Tomislav Nikolić.

100_godina_prvog_svetskog_rata2

Kongressbuch zum Ausbruch des ersten DerWeltkrieges mit einem Beitrag unseres Vizepräsidenten, Prof. DDr. Wolfgang Rohrbach

Ein Völkerverbindender Sammelband Serbiens zum ersten Weltkrieg

Eine Rezension von unseren Vizepräsident, Prof. DDr. Wolfgang Rohrbach:

Die Fülle der im Gedenkjahr 2014 erschienenen Publikationen über den Ersten Weltkrieg, führt deutlich vor Augen, wie gespalten und wie unterschiedlich die Meinungen zu gewissen Ereignissen sind.  An ihnen erkennt man deutlich, wieviel an noch immer unbewältigten historischen Grauzonen in Europa existieren. Die ÖSG möchte über die Gräben und Gräber der Vergangenheit  100 Jahre nach Beginn des großen Völkergemetzels eine Politik der Versöhnung und des gegenseitigen Verständnisses zwischen Österrreichern und Serben praktizieren. Dies deshalb , wel mancherorts der schädliche Keim des Chauvinismus noch immer nicht gebannt ist . Doch das „Sicherheitsnetz“ der EU verhindert innere Kriegerische Eskalationen. In diesem Szenario sind jene neuesten Publikationen besonders hoch einzuschätzen, welche die aufgearbeiteten geschichtlichen Details des Ersten Weltkriegs zum „Brückenschlagen“ zwischen den gegnerischen Staaten von einst. Verwenden.

Eines der in diesem Zusammenhang interessantesten geschichtswissenschaftlichen  Druckwerke stammt aus Serbien. Es  ist der vom „Institut za Uporedno pravo(Institut für vergleichende Rechtswissenschaften) am 28. Juni 2014 -also 100 Jahre nach dem Attentat auf den Österr, Thronfolger-  in Belgrad präsentierte Kongressband „.THE FIRST WORLD WAR/100 YEARS SINCE ITS OUTBREAK Studies on history and legal isst“ .

Es handelt sich dabei um einen Sammelband, in welchem in-und ausländische Soziologen, Geschichts-und Rechtswissenschaftler über die Ursachen, den Verlauf und die Folgen des Ersten Weltkriegs an Hand neuer  berichten.

Den am Institut und an serbischen Universitäten tätigen Herausgebern Dir. Dr Jovan Ciric und Prof. Dr Miroslav Djordjevic gelang es mit Unterstützung des Wissenschaftinisteriums der Rep. Serbien sowie des international tätigen Rechtsanwalts, Goran Petronijevic, 46 europaweit anerkannte in-und ausländische Universitàtsprofessoren, Dozenten und Assistenten für die Mitarbeit an diesem Sammelband zu gewinnen. MIT STOLZ DARF DIE ÖSG HERVORHEBEN, DASS DER BEITRAG DES. VIZEPRAES. PROF.DR.DR WOLFGANG ROHRBACH WEGEN SEINER HOHEN QUALITAET UND OBJEKTIVITAET AN DIE STELLE ZWEI NACH DEN AUSFÜHRUNG DES PERS.BERATERS DER SERB. REGIERUNGSSPITZE, PROF.DER ANTIC, GEREIHT WURDE.

Das im Belgrader Verlag INTERMEX erschienene Werk verdient schon deshalb Anerkennung, weil es durch ein von modernem kosmopolitischen Denken getragenes serbisches Redaktionsteam erstellt wurde. Die Beiträge der ausländischen Autoren mit zum Teil sehr anspruchvollen Interpretationen diverser Vorboten des Großen Kriegs, der Kriegsereignisse selbst und ihrer Folgen wurden bewusst im englischen, deutschen, russischen, französischen und italienischen Original mit serbischer Kurzfassung in den Band übernommen, um missverständliche Abweichungen in der Übersetzung zu vermeiden.

Wertvoll für die internationale Geschichtswissenschaft ist einerseits die Einarbeitung bisher unveröffentlichten Achivmaterials und andererseits, dass  in der Beschreibung der immerhin dunkelsten Kapitel der österreichisch-serbischen Geschichte Abstand genommen wurde von den bisher immer wieder aufflackernden nationalistisch gefärbten Anschuldigungs-und/oder Rechtfertigungsdarstellungen.

Der Sammelband liefert in Form von Schlussfolgerungen auch Beweise, dass es Österreich und Serbien „Über die Gräben und Gräber der Vergangenheit“ gelungen ist, nach den Ereignissen der beiden Weltkriege wieder zueinander zu finden. Immerhin waren ja rund drei Jahrhunderte Serben an der Militärgrenze des Habsburger-Imperiums zum Osmanischen Reich die treuen vom Kaiserhof in Wien privilegierten Wächter. Weiters wurden in Wien seit dem 18.Jh Serbische Bücher und die ersten Serbischen Zeitungen gedruckt. Heute sind über 400 österreichische Firmen in Serbien tätig; rund 300.000 Personen mit serbischen Wurzeln sind im österreichischen Gesundheitswesen, der Hotelerie und Gastronomie sowie der Bauwirtschaft tätig. Es gibt rund 100.000 Mischehen bzw Lebensgemeinschaften zwischen Serb(Inn)en und Österreiche(Inne)n.

GEMEINSAM DIE FEHLER DER VERGANGENHEIT AUFARBEITEN

Die Autoren des Sammelbandes waren sich, als sie ihre Beiträge niederschrieben, folgender Tatsachen bewusst:

  • In der älteren historischen Fachliteratur über die österreichisch-serbische  Konfliktaustragung im Ersten Weltkrieg finden sich Abhandlungen, denen es über weite Strecken an einer kritischen geschichtswissenschaftlichen Analyse mangelt.
  • Auch wenn bis heute -objektiv beurteilt- eine Reihe von Voraussetzungen,  Gedankengängen und Ergebnissen nicht oder nicht vollständig nachprüfbar -also weder verifizierbar noch falsifizierbar- sind, wurde in der nationalistisch gefärbten Geschichtsschreibung über den Ersten Weltkrieg dennoch bis zum Ende des „blutigen“ 20. Jahrhunderts das  geschichtswissenschaftliche Postulat „sine ira et studio“ ignoriert, *Mythen, Schuldzuweisungen und Rechtfertigungstheorien wurden in den Texten zu Beweisen hochstilisiert.

Erst seit Beginn des 21.Jahrhunderts führen -bedingt durch die verbesserten  Beziehungen der EU und insbesondere Österreichs zu den Nachfolgestaaten Jugoslawiens veränderte Fragestellungen im Hinblick auf zurückliegende Epochen immer wieder zu neuen Erkenntnissen. Österreichische wie Serbische Historiker erkennen – wie der vorliegende Band eindeutig zeigt- immer deutlicher vor Augeb, wie sehr die  Quellen über den Ersten Weltkrieg-– schriftliche wie materielle –   zwingend der Interpretation bedürfen.  Sie sprechen in vielen Fällen nicht für sich selbst.


© Österreichisch Serbische Gesellschaft, ÖSG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.